Bugamba - weiter geht's!

Liebe Waldhofschüler, liebe Eltern,

In diesem Jahr fahre ich wieder zu unserer Partnerschule Bugamba nach Tansania. Eine junge Kollegin aus der Stephanusstiftung wird mich begleiten. In diesem Jahr wollen wir die Schule in Bugamba darin unterstützen für jede Schulklasse einen Wasserfilter anzuschaffen.

Für neun Klassenraume brauchen wir ca.400 €.

Wer über die Partnerschule mehr erfahren möchte findet hier einen Film, den wir in der Schule mit Schülern der 6.Klasse selbst hergestellt haben.

https://www.youtube.com/watch?<wbr></wbr>v=epvwg8u3bSY

Hilfe für eine Grundschule in Tansania

Der Schulsozialarbeiter der Waldhofschule Templin besucht eine Grundschule in Tansania

Der Schweiß rinnt mir an der Stirn herunter. Nicht, weil Afrika zu warm ist; nein, wir erklimmen gerade einen steilen Hügel vor dem Dorf Bugamba in Ostafrika.  Der Schulleiter der Grundschule, Bwana Alodi Makigo der uns gerade vom Ufer des Tanganyika-See abgeholt hat, ist diese Strecke wohl schon oft gelaufen. Scheinbar ohne Mühe sprintet er voran.

Vor mehr als hundert Jahren begegneten sich an diesem Landstrich die Afrikaforscher Livingston und Stanlay. 9 000 Km von der Heimat entfernt, kraxeln wir in den Muhulu Bergen hoch zum abgelegenen Dorf. Es gibt hier keine Straßen und kein Strom. Die Wasserversorgung kommt zur Hälfte aus den Bergen. Ansonsten muss die Bevölkerung das Wasser aus dem Fluss  nehmen.

Wir hatten schon vier Stunden Fahrt mit einem Motorboot hinter uns, um von der District-Hauptstadt Kigoma in das entlegene Bugamba zu kommen. Mein Schwager Arne und ich haben uns schon darauf gefreut, den Schülern der Grundschule eine Spende der Waldhofschule zu überreichen. Wir waren angekündigt, aber wie es afrikanische Gewohnheit ist, war das Boot unserer Gesundheitsstation  viel zu spät heute morgen losgefahren. Ob die Schüler noch warten? Der Schulleiter jedenfalls hat uns freundlich am Ufer empfangen.
Bugamba liegt am Ufer des 600 km langen Tanganyika-See´s in Tansania. Seit mehr als 18 Jahren betreibt die medizinische Missionshilfe in diesem Dorf eine kleine Gesundheitsstation. Ich bin seit Jahren Mitglied und seit zwei Jahren nun im Vorstand dieses Hilfsprojektes. 1990 bis 1992 hatte ich selbst mit meiner Frau in dieser Region gearbeitet und kenne diese Gegend gut. Unsere Arbeit machen wir ehrenamtlich und auch die Fahrten ins Projektgebiet tragen wir selbst.

„Habari za safari?“, ruft uns ein Lehrer zu, der uns entgegen kommt. „Nzuri tu“ (nur gut) “tumeckoka kabisa“ (wir sind sehr erschöpft) antworte ich und reiche dem freundlichen jungen Lehrer die Hand. Obwohl wir uns nicht kennen, macht uns die Sprache schnell miteinander vertraut. Meine Suahelikenntnisse haben uns schon öfter auf dieser Reise hier in Tansania die „Türen geöffnet“ und ein oberflächliches Touristengeplänkel erspart.

Nun hören wir schon das Singen der Kinder und die länglichen Gebäude der Schule sehen gut erhalten aus;als ob sie erst einige Jahre alt sind. 480 Schüler gehen hier zur Schule. Wie bei uns werden die Schüler mit 6 Jahren eingeschult und bleiben auf der Grundschule bis zur sechsten Klasse. Die Waldhofschule hat nur 280 Schüler, die sich mehr als 45 pädagogische Fachkräfte teilen.  Hier in Bugamba gibt es nur 8 Klassen und 10 Lehrer. In einer Klasse tummeln sich 60 Schüler, was ein rigides pädagogisches Konzept (notfalls auch mit Stockhieben) erklärt.
Wir sind froh, dass die Schüler doch gewartet haben. Und sie taten es gern, das sehen wir den fröhlichen Gesichtern an. Die Klasse des Schulleiters hat den Vorrang bekommen die „Mzungu´s“ zu empfangen. So sitzen sie auf dem trockenen, staubigen Boden auf dem Schulhof in Erwartung der weitgereisten Gäste.

Freundliche Worte, Begrüßungsformeln und persönliches Vorstellen bestimmt das Bild. Ich erzähle von unserer Waldhofschule, von den Aktionen, die wir  in kleinen Afrikaprojekten machen und von der Möglichkeit miteinander zu lernen; Menschen mit Behinderung und Regelschüler. Das bringt die afrikanischen Lehrer in sichtbares Staunen, denn behinderte Kinder laufen bestenfalls im alltagsleben mit, ohne dass man sich besonders um sie kümmert.
 In Suaheli fasse ich alle Hoffnungen zusammen:  Möge dieser Besuch der Anfang einer zarten Beziehung zwischen Bugamba und Templin werden.  Damit Kinder über ihren Tellerrand hinaussehen und darüber die Welt kennenlernen und verstehen, dass Menschen auf unserem  Globus nicht nur für sich allein leben. Ich überreiche symbolisch das laminierte Logo der Waldhofschule, was die Kinder sofort in ihre Mitte nehmen. Der Schulleiter versichert uns, das dieses Logo einen Ehrenplatz in der Schule bekommen wird. Offiziell überreiche ich dem Schulleiter nun das Kuvert mit 660 €.  Bei verschiedenen Aktionen hatten wir in der Waldhofschule für die Grundschule in Bugamba gesammelt. Das Waldprojekt unserer Schule legte am letzten Schultag vor den großen Ferien noch 300 € darauf. Nun können davon sicher einige Bücher oder Arbeitshefte angeschafft werden. Vielleicht ist auch eine Begrünung mit Sträuchern und Bäumen für den Schulhof angebracht.

Meine Gedanken schweifen ab, als mich der Schulleiter ans Händgelenk greift und mich hinter die Schulgebäude zu einem abschüssigen Gelände führt. Marode wirkende Kleine Gebäude mit dem penetranten Geruch verraten mir, dass sich hier die Toiletten der Schule befinden müssen. Die Außenmauern sind teilweise verwittert und die Türrahmen lösen sich an den unteren Enden auf. Von vier Türöffnungen sind nur noch zwei Türen vorhanden. Der Schulleiter macht mir klar, wie nötig es ist, das Geld unserer Spende hier einzusetzen. Für 480 Schüler stehen zwei solche Gebäude mit vier Plumpsklos zur Verfügung. Inzwischen gehen viele der Jungs außerhalb irgendwo ihr „Geschäft“ erledigen, was die gesundheitliche Situation in Bugamba noch verschärft. Hakenwürmer und Wurmbefall sind schlimme Folgen mangelnder Hygiene und ungeregelter Toilettengänge. Dies führt zu Erkrankungen, die dann in der Gesundheitsstation der MMS wieder kostspielig behoben werden müssen.

Mir wird klar, dass die Summe der Waldhofschule gerade mal ein Anschub für einen Neubau bedeuten würde. Achselzuckend macht mir der Schulleiter klar, dass finanzielle Hilfe vom tansanischen Staat nicht  zu erwarten ist. Ich beiße mir auf die Zunge, um nicht zu voreilig irgendwelche Versprechungen zu machen.

Die Sonne steht schon weit über dem Tanganyikasee, was mich zur Eile bewegt und unseren Besuch abrupt beendet.  Unser Boot braucht noch vier Stunden wieder zurück nach Kigoma. Dann dürfte es schon fast dunkel sein. So verabschieden wir uns von den Kindern mit fröhlichen Fotos und lautem Jubel. Der Schulleiter begleitet uns den Hang hinab bis zum Ufer des See´s. Dort haben die anderen Fahrgäste schon Platz genommen und der Schiffsführer hat schon den Motor angeworfen. „Kwaheri yakuonana, Bugamba“, (Auf Wiedersehen, bis zum wieder sehen, Bugamba). Berührt von der kurzen Begegnung mit der Schule in Bugamba, denke ich nach über die Selbstverständlichkeiten bei uns in Europa, über unsere Schule im Waldhof und wie gut wir es dort haben.

Wer dieser Schule mit einer kleinen Spende helfen möchte, kann sich gern im Büro der Waldhofschule Templin melden. Ihre Spende kommt zu 100 % in Bugamba an.

(Jörg Kerner ist erreichbar per eMail joerg.kerner@waldhofschule.de)